Warum Berührung heilsam ist

Der früheste zwischenmenschliche Kontakt ist körperliche Berührung. Viele lebenswichtige Funktionen hängen von der frühzeitigen Ausformung gesunder Nervenbahnen durch Berührung ab, denn kein Lebewesen kann auf Dauer ohne Körperkontakt existieren. Durch diesen formt sich unser Körperbild, wir leben und erleben unsere Körperlichkeit. Der Kontaktbegriff ist weit und umfassend: Er stammt aus dem Lateinischen („contagio“) und bedeutet „Berührung“.

Diese schafft Verbindung, ist Kommunikation, findet immer in der Gegenwart statt und ist darauf bedacht, die persönliche Präsenz zu verstärken. Jede Art von liebevoller Berührung ist Nahrung für das Nervensystem: Sobald eine Hand auf uns ruht, kann das gesamte Energiesystem des Körpers zum Fließen gebracht werden. Veränderung geschieht, wir atmen anders und spüren uns deutlicher. Die Vorstellung, dass Berührung durch kundige Hände von großem therapeutischen Wert ist, ist so alt wie die Menschheit selbst. Hände können Schmerzen lindern, Spannungen lockern, Angst nehmen, ja sogar Kranke im Koma erreichen und deren Atmung beeinflussen. Feinfühlig ausgestattet empfinden unsere Hände intensiv und punktgenau.

Wir haben allein 2000 Rezeptoren in den Fingerbeeren. Selbstverständlich und traumwandlerisch meistern unsere Hände die unterschiedlichsten Aufgaben. Auch sind sie Boten unserer Gefühle. Was sie überbringen und empfangen, mag uns wie Magie vorkommen, hat aber eine solide physiologische Basis und hinterlässt tatsächlich eine Spur im Körperschema. Neurobiologische Forschungen bestätigen, dass die Summe vergangener und gegenwärtiger Sinneserfahrungen eines Menschen ständig aktualisiert wird. Mit jeder neuen Anforderung, jedem relevanten Tastreiz, baut sich im Gehirn eine neue Repräsentation auf. Denn nichts, so der Erkenntnisgewinn aus den Labors, ist unverrückbar festgelegt, keine Verbindung im neuronalen Netzwerk derart fixiert, dass nicht eine andere sie lockern, umleiten oder sogar aufheben könnte. Wenn wir allerdings Fertigkeiten schlummern lassen, schrumpft auch das entsprechende Territorium. Die bis vor kurzem gültige Vorstellung, unser Gehirn sei ab einem bestimmten Alter quasi „fix verkabelt“, ist somit hinfällig.

Wie wichtig Körperkontakt ist, belegen zahlreiche Untersuchungen an Neugeborenen. Aber erst seit kurzem beginnen ForscherInnen zu entschlüsseln, was unser Tastsinn vermag, warum er für Erfahrung und Wahrnehmung, Wachstum und Wohlbefinden, von so elementarer Bedeutung ist.

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